Cycling the morning sun smile – Part 1: Göttingen – Ljubljana

So, nach knapp 2.500km radeln (2.398km, wer es genau wissen will) dann mal ein Erster Eintrag und zugleich ein grosser Nachtrag.

Nachdem der Gedanke nun schon lange keimte, solang dass dessen Ursprung nur noch ein undeutlich verschwommener Gedankenfetzen war, welcher sich aber doch sehr hartnaeckig immer wieder an die Oberflaeche des Frontallappens drueckte, wurde dieser nun wirklich real. Lange rumgesponnen und kurzerhand mittels grossem Abstraktionsvermoegen eine Route zusammengebastelt, verworfen, neu erstellt, gesehen, dass es moeglich ist, dann mit viel Kaffee durch Visaantraege gequaelt und das Abfahrtdatum dreimal nach hinten verschoben, wurden es irgendwann unausweichlich, Los gehts. Also raus aus dem behueteten Nest, welches ueber die Jahre so sehr zum zuhause wurde. Warum denn eigentlich weg, ist doch gerade so schoen hier ? Ich habe mich vorher noch nie so angekommen gefuehlt und daraus breche ich nun aus? Naja, jetzt gibt es auch kein zurueck mehr und grosse Euphorie trifft auch Unsicherheit und Gedankenachterbahn.

06.05.17 Goettingen – Creuzburg

Wache frueh morgens bei N. auf und bin noch ganz benebelt und die Situation scheint noch zu gross, um fassbar zu sein, also erstmal fruehstuecken, ab in die Gosse. Lethargisch packe ich all meinen Kram zusammen und raeume meine letzten Sachen aus meinem liebgewonnen Zimmer in den Keller, wo sie erstmal auf unbestimmte Zeit, irgendwas zwischen 9 Monaten und einem Jahr verweilen werden. Abwesend schmiere ich mir ein Broetchen und bin irgendwo und nirgendwo in Zeit und Raum. Irgendwann ist es dann soweit, Andi und Tim kommen angeradelt und es finden sich noch ein paar Leute ein, die unserer klandestinen Idee der Critical Mass doch gefolgt sind. Versorgt mit frisch gepackten Vesperbeuteln, einer Ueberdosis Kaffee verabschiede ich mich von meiner WG, meinem zuhause. Noch ein letztes, erstes Foto und losgestrampelt. Richtung stimmt ungefaehr, irgendwo Richtung Suedosten raus und dann immer weiter. 13km hinter Goettingen dann schon der erste Zwischenhalt. Das erste Tausendstel!! Erstmal Pause, Futtertueten raus und was knabbern. Kurz darauf, bei Friedland, verlaesst uns dann der erste Teil unserer Gefolgschaft und wir radeln zu dritt weiter. Tim begleitet uns noch den ersten Tag und versorgt uns mit allerlei Leckereien. Ein riesiges Glas Ajvar und leckeres Streichfett, mjam. Radeln so vergnuegt, verwirrt durch die Gegend und kommen irgendwann an einer netten Schutzhuette kurz hinter Creuzburg in Thueringen an. Containerte Schaetze versuessen uns den Abend und ein riesen Haufen „Joghurt mit der Ecke“, Jumboerdnussflips, 8 Flaschen Sojasauce, Brennesseln und Mehl fuellen die Maegen und die Energiespeicher. Die Raeder bekommen den Schutz der Huette, wir schlafen daneben unterm Tarp.

07.05.17 Creuzburg – Haina

Langsam werde ich wach, sehe zwei schoene, vertarute Gesichter neben mir, schlafe wieder ein, Passant*innen ziehen an uns vorbei, gruessen nett, oder gucken ganz distanziert. Treffen schon die ersten Radler*innen, die ihre Runden durch thueringische Land drehen. Den Schleim vom Vortag nochmal als Fruehstueck verputzt, dazu frisch containerten Aufkochpudding. Toepfe leer gekratzt – wir haben insgesamt 5, man weiss ja nie, was da noch kommen mag – alle Taschen wieder gepackt und am spaeten Vormittag wird weitergeradelt. Zunaechst mal bis nach Eisenach, dieser aetzenden Hochburg des thueringischen Rechtsextremismus. Und prompt gruesst einen auch schon die glatzkoepfige Brigade vorm Nationalen Volkshaus, kurz spaeter ist die Stadt gerammelt voll von, die Luther zum Reformationstag huldigen und lecker protestantische Bratwurst in sich reinstopfen. Tim an Bahnhof abgegeben und due Umgebung als unpassend fuer Kaffeekochen empfunden, alsi geht es direkt weiter. Noch ein Abschied und dann sind wir zu zweit. Schleppen uns unseren ersten Anstieg hoch und oben erwartet uns an einem kleinen Trampelpfad gelegen ein kleines Waldstueck, wo wir Kaffee kochen und Rast machen. Es geht ziemlich gut voran und um die Strecke und die Distanz machen wir uns keine Sorgen. An jedem Supermarkt schauen wir, was dieser in den hintenliegenden Tonnen fuer Koestlichkeiten fuer uns bereit haelt, fahren gemuetlich und die Kilometer purzeln ueber den Tacho. Auf der Karte erspaehen wir ein vielversprechendes Waldstueck an unserer Route und peilen dieses als Tagesziel an. Hier gibt es einen grossen Steinbruch und darueber gelegen eine verlassene Wanderhuette vom lokalen Schuetzenverein Haina. Die Natur beschenkt uns reich mit Giersch und zusammen mit Fett und Mehl wird daraus ein koestlicher, nahrhafter Schleim.

08.05.17 – 10.05.17 Haina – Buttenheim – Beilngried – Kumhausen

Mit besten Wetter passieren wir die erste relevante Grenze unserer Reise Bayern. Die Kilometer und die Gedanken fliegen nur so dahin. Die Frage, ob das hier alles das richtige ist und die erdrueckende Schwere ob alles Kommenden weichen. Das Rad fuehlt sich jeden Tag besser an, das Gewicht vertraut. Containerdund Deluxe, die Taschen sind zum Bersten gefuellt mit Gemuese und Obst aus aller Welt und vegetarischen Fleischersatzschnickschnack. Es ist verblueffend wie schnell Angst und Unsicherheit weichen. Ein gesundes Urvertrauen stellt sich ein. Wir werden jeden Tag genug zu Essen haben, unglaublich gutes, gesundes, ausgewogenes Essen, werden jeden Baned einen Schlafplatz finden, werden Trinkwasser bekommen, treffen nette Leute, zum Teil auch komische ( hier zu nennen sei ein gewisser Niederbayer in Oberbayern, dem es gehoerig gegen den Strich geht, wenn er in seinem eigenen Land [sic!] niemanden mehr versteht, wobei man sich auch selbst als Kartoffel schon schwer tut dem Gebrabbel dieses Herrn zu folgen…)Und mit Musik auf den Ohren macht auch die laermende Bundesstrasse nichts. Haben heute das erste mal eingekauft, Kaffee und Zahnpasta, sonst laesst sich alles in den Lebensmittelregalen hinter den Supermaerkten finden. Faszinierend, wie guenstig das Leben sein kann. Und vorher habe ich mir noch so viele Gedanken und Sorgen um Geld gemacht. Das Leben ist schoen und alles was da Kommen mag, wird gut sein zum Schluss.

11.05.17 – 13.05.17

In Oberbayern, in der Naehe des Chiemsees besuchen wir noch Andis Tante, meine Familie, die gerade zur Kur ist und Freund*innen in Inzell. Haben uns vorher noch Fahrradteile zu ANdis Tante liefern lassen, da mein Staender nach ein paar Tagen unter der Last zu aechzen anfing und erste Risse sichtbar wurden. Dazu noch eine handvoll Schaltzugendhuelsen und Bremszugversteller. Andis Tante zeigt usn noch Fotos von ihren Reisen und naehert die Lust auf Indien ins Unermessliche. Nutzen die Vorzuege des zivilisierten Lebens, waschen uns und unsere Klamotten, geniessen frisches Brot und Wein und Ofengemuese. Aber drinnen schlafen ist halt auch drinnen schlafen. In allere Ruhe die neuen Utensilien ans Fahrrad montiert, alle Akkus wieder geladen geht es entspannte 40km bis nach Chieming, ankommen ins Wasser huepfen, Eis essen und dann den restlichen Tag und den gesamten Abend damit verbringen Visaantraege auszufuellen. Name, Beruf und Nationalitaet, des Vaters, der Mutter, Haben Sie schon einmal in einer paramilitaerischen, pakistanischen Einheit gedient ? Also bitte…. Seitenweise nur Unsinn und Scheiss, um diese beschissen Grenzen ueberqueren zu duerfen, hinter denen nationalstaatliche Regime Menschen die Wege versperren und ihnen die Bewegungsfreiheit nehmen. Aber natuerlich nicht mit dem goldenen Ticket, dass da heisst Reisepass der Bundesrepublik Deutschland. Ein paar Fragen, ein paar ausgedachte Adressen und Telefonnummern und schon wird einem Eintritt gewaehrt. Widerlich. So zerrint dieser kurze Tag des Radelns im starren auf den Laptopbildschirm und abwechselndem Antraege ausfuellen. Geniesse die letzten Momente mit meiner Familie, wieder Wein und eine regnerische Nacht unter der Obhut des Wohnmobilvordaches. Ralf hat uns noch mit allerlei Dingen versorgt und dafuer doch als unnoetig empfundene Gegenstaende in Tausch genommen. Das schwere Baumwollsaunahandtuch wird zu zwei kleinen, schnelltrocknenden Trekkinghandtuechern, mein Kalender (wieso habe ich den ueberhaupt eingepackt??) bleibt hier, eines von sechs Buechern wird in Deutschland bleiben, das extra Paar Schuhe ohne Klicks unter den Sohlen behalte ich nach Einigem Hin und hewr aber doch, und wer weiss wozu es noch gut sein wird, vielleicht treffen wir ja wen, der dringend ein paar rote Sneaker braucht ?! Dafuer wandern noch Naehzeug, ein Pfund Kaffee und Knoblauch in unsere Obhut. Am naechsten Tag dann herzensschwere Abreise mit leichten Nieselregen. Erstmal bis nach Traunstein, um fuer Unsummen den Passfotoanforderungen Indiens und Pakistans nachzukommen, die Fotos dann zusammen mit den Antraegen und unseren Zweitpaessen in die Haende einer Visumsagentur zu geben, die uns diese dann hoffentlich mit schoen hineingeklebten Einreiseerlaubnissen hinterherschicken wird. Inshallah. In Inzell heissen uns Bitti und juergen noch willkommen, versorgen uns mit koestlichem Kaffe und wertvollen Tipps fuer den weiteren Verlauf der Route. Die vollbepackten Raeder werden inspiziert und dokumentiert und um zwei lokale Spezialitateten reicher, fahren wir gen Alpen. Die Strasse ist super zum radeln, die Abfahrt geht auf Asphalt, danach folgen wir einem wunderschoenen, gewunden Schotterpfad bis Zell am See. Dort angekommen daemmert es schon und wir muessen feststellen, dass wir unseren ersehnten Platz am See wohl nicht bekommen werden, da dieser ringsum besiedelt und bebaut ist. Doch ein ganz pfiffiger Mensch baute nicht direkt am See, sondern ueberthronend ein Schloss aus Holz und Kupfer in den frisch geschlagenen Fels ueberhalb des Sees. Wir fahren die Baustellenausfahrt hoch, treffen niemanden an und falls an dieser Stelle ein gewisser Herr Porsche-Schroeder mitliest, danke an dieser Stelle, wir haben die Nacht in ihrem Garten sehr genossen und hoffen, dass in ihrer riesigen Bonzenvilla auch in Zukunft Platz sein wird fuer muede Reisende, auch wenn wir dies schwer bezweifeln.

14.05.17 Zell am See – Großglockner – Untersagnitz

Kaffee und Frühstück mit Seeblick, den Bauarbeiter*Innen noch das Klopapier vom Dixi stibitzt – Familie Porsche-Schröder wird sicherlich für neues aufkommen können – Tarp wieder zusammengepackt, Müll mitgenommen, Zähne geputzt, Darm entleert, so geht es langsam in Richtung unseres ersten Passes. Zunächst noch gemächlich den Tal folgend, kommt nach etwa 20km die Einfahrt zur „Großglockner-Panorama-Straße“. Zum Glück keine infrastrukturell interessante Straße, sondern eine in privater Hand betriebene Mautstraße und so verlangt ein Schild Eintritt für motorisierte Vehikel aller Coloeur, oh wie schön es doch ist, ein Fahrrad zu fahren !

So strampeln wir uns ganz gemächlich die 1.700m Aufstieg entlang und kurbeln im höchsten Gang die 12% Steigung empor. Der Verkehr hält sich wirklich in Grenzen, vor allem die knatternden Motorräder nerven, ansonsten schlängelt sich die Straße durch ein malerisches Tal und gewinnt langsam an Höhe. Nach ein paar Kilometern kommt dann die dicke Mautstation, hier ist ein Extraeingang für Radfahrer*innen, der aber sicherlich nicht vorsieht, das Menschen mit vollbeladenen Reiserädern hier passieren wollen, sondern steht eher für schlanke Vollcarbonflitzer zur Verfügung, mit passender Zeitmessuhr direkt dahinter. Zu einem geringen Entgelt von nur 2€ kann mensch sich hier bescheinigen lassen diese Straße gefahren zu sein, gegen einen Aufschlag sogar mit Urkunde ! Im Schneckentempo kriechen wir die Berge empor, es wird langsam diesig, Nieselregen beginnt zu fallen und meterhohe Schneewände beginnen sich aufzutürmen, durch die sich langsam die Räumungsmaschinen gefressen haben. Auf dem ersten der zwei Pässe angekommen werden wir nicht schlecht von 3 polnischen Rennradfahrer*innen bestaunt, die voller Begeisterung unsere Fahrräder anschauen, Fotos schießen und beim Versuch diese anzuheben scheitern. Ihre Räder lassen sich leicht an einem ausgestreckten Arm anheben, mit einem ordentlichen Hauruck aus zwei Armen kann man unsere grazilen Elefanten gerade mal den Bordstein hochhieven. Auf dem Pass noch das obligatorische Foto, mit viel Charme im lokalen Souvenirshop Trinkwasser auffüllen und schon geht es weiter zum nächsten Pass. Zwischendurch noch auf einem kleinen Stück Wiese anhalten, zum ersten Mal das mitgeschleppte Feuerholz auspacken und Kaffee kochen. Die nebenstehenden Arbeiter*Innen gucken ein wenig argwöhnisch, inspizieren aber unberuhigt weiter den Berg auf etwaige Anzeichen von Lawinen. Das Koffein pumpt uns dann auch noch die letzten Höhenmeter hoch bis zum Tunnel und schon sind wir auf Südseite der Alpen. Also dick anziehen und runterbrettern. Die Bremsen kreischen ob der steilen Abfahrt und der Last und prompt verabschiedet sich der Druck aus meinem Hinterreifen, also anhalten, Werkzeug raus und Schlauch wechseln. Das Gute dabei ist, dass der Nebel sich derweil verzieht und wir die restliche Abfahrt im Sonnenlicht genießen können. Wir rollen noch ein bisschen weiter bergab, finden wieder kulinarische Schätze in den Supermarkttonnen Kärntens, füllen Trinkwasser bei einer netten, kirgisischen Gastwirtin auf und finden einen schönen Tarpplatz an der Möll.

15.05.17 – 17.05.17 Untersagnitz – Villach – Jesenice – Ljubljana

Die Beine tun nach dem Aufstieg vom Vortag doch gehörig weh und auch wenn es zunächst nur mal bergab geht, fällt das radeln schwer. Bei der erstbesten Gelegenheit erstmal Kekse, Müsli, Saft besorgen und Zucker in den Körper pumpen, der reagiert auch sofort und bekommt Lust aus Radfahren. Gemächlich geht es das Mölltal runter. In meinem Kopf denke ich an die kommenden Pässe, an Berge in Zentralasien, die sicherlich nicht so schön plan asphaltiert sind und auch nicht bei 12% Steigung aufhören. Das kleinste Blatt ist mit 30 Zähnen einfach zu groß und so beschließe ich mir neue zu besorgen. Da diese recht unwahrscheinlich einfach in irgendeinem Radladen unterwegs zu finden sind, müssen wir diese wohl bestellen und irgendwo auf unsere Route schicken lassen. Kommen wieder an prall gefüllten Containern vorbei, auch wenn das Brot teilweise zu sehr nach Tonne schmeckt, und treffen endlich mal weitere Radreisende. Die wollen auch Richtung Slovenien, also geht es zusammen weiter, auch wenn sich dieses zusammen nach den ersten 500m bergauf doch sehr auseinanderzieht. Und so fahren wir wieder zu zweit weiter gen Südosten. In Spittal treffen wir auf die Drau und folgen dieser von nun an. Die Tarpmöglichkeiten überbieten sich hier in ihrer Schönheit und irgendwann erliegen wir diesem Glanz und halten an einem leicht überwilderten, ehemaligen Angelplatz an und bauen unser Tarp auf. Bevor es mal wieder reichhaltigstes Essen mit exttaschleimiger Konsistenz gibt, erfrischt ein Sprung in die noch sehr kalte Drau und ein Bilderbuchsonnenuntergang. Es geht einfach weiter, und weiter und weiter.

Noch ein kritischer Blick auf die Beschreibung des Wurzenpasses, der mit 20% Steigung und LKW-Lärm keine schöne Auffahrt verspricht. Das GPS-Programm (OruxMaps) spuckt eine Alternativroute aus, die sich von Villach, über Italien, langsam nach Slovenien zieht. Und welch ein Glück wir hatten diesem Weg gefolgt zu sein. Einer alten Bahntrasse folgend, die nun größtenteils zum Radweg umgebaut wurde geht es kaum merklich die Karawanken hoch und wieder runter. Mittagspause in Italien mit frisch containerten Erdbeeren und Kirschen und einer Ananas, die uns in Villach aus der grünen Tonne in die Satteltaschen gehüpft ist. Dazu österreicherischer Topfen, welcher garantiert und zertifiziert auch in Kärnten produziert wurde. Und so freuen wir uns unseres regionalistischen Containerbewusstseins und genießen den Ausblick. Lange rätseln wir, ob wir den Pass nun schon erreicht haben, da auch der Steigungsmesser am Fahrrad nur zwischen +2% und -2% hin- und herblubbert. Und so gleiten wir schwerelos dahin, ganz gedankenverloren und fasziniert von dieser bergig-grünen Landschaft und nehmen uns vor unbedingt am Fluss zu campieren. Allmählich werden die Straßen größer und die Gegenden besiedelter und so gestaltet sich die Suche nach einem ruhigen, idyllischen Schlafplatz immer schwieriger. Irgendwann geben wir es auf und schlagen unser Lager an einem einigermassen uneinsichtigen Feldrand auf. Der Gemeindemitarbeiter des Grünflächenverwaltungsamtes, welcher uns am nächsten Morgen entdeckt, macht uns jedoch klar, dass wir hier nichts verloren haben und so trinken wir noch den Kaffee aus und sausen weiter. Immer weiter bergab Richtung Ljubljana.
Unterwegs kommen wir noch durch Kranj, wo gerade eine „Parade des Lernens“ stattfindet und wir verstehen zwar nicht viel, aber so viel, dass es was kostenlos zu futtern gibt und dass der lokale Volkstanzverein sich in Klamotte geschmissen hat und auf einer kleinen Bühne slovenische Tänze zum Besten gibt. Wollten eigentlich noch ein besetztes Hausprojekt am Kranjer Bahnhof besuchen, aber finden nur eine vielversprechende, schön-heruntergekommene Hütte mit allerlei Kunst und viel Graffiti, aber leider keine anwesenden Personen.
In Ljubljana wollen wir das erste Mal einen Tag Pause machen, die Räder stehen lassen, was von der Stadt sehen, den Film anfangen, lesen, ausspannen, Pausetag halt. Also haben wir Warmshowers bemüht und auch einen Kontakt gefunden, der uns, in Ljubljana angekommen, spontan zusagt. Er sei noch außerhalb der Stadt und kommt erst später nach Hause, er lässt uns dann wissen wann. Wir haben Zeit und kommen erstmal langsam in Ljubljana an. Ich einnere mich, wie ich mit Max und Max trampend durch Italien gezogen bin und uns der Wikipedia Eintrag „Squat Italy“ einige schöne Hausprojekte und Schlafmöglichkeiten beschert hat. Und tatsächlich, auch in Ljubljana gibt es ein anarchistisches Squat, die ehemalige Fahrradfabrik ROG. Und das ganze auch noch unmittelbar in unserer Nähe! Also nichts wie hin und sich verzaubern lassen von diesem schönen Ort. Im Innenhof sitzt ein junger Mensch, genießt die Sonne und raucht und erklärt uns kurz was das ROG ist und was es hier so gibt, allerlei Kunst und Theater, ein Café, Wohnungen, eine Fahrradwerkstatt, Küfa und und und. Wir sind begeistert und schauen uns neugierig um. Irgendwo wird an einem Fahrrad rumgeschraubt und Andi ist sofort Feuer und Flamme.

Schnell lernen wir ein paar Leute kennen, die hier im Café „Second Home“ ihren Nachmittag verbringen und es gibt kostenfrei Kaffee, Tee und Essen. Wir gesellen uns dazu und beobachten ganz viel und ergötzen uns an koffeinhaltigen Heißgetränken.

Wir schauen noch kurz an einem nah am Stadtzentrum gelegenen Park vorbei und liegen faulenzd und Mandarinen schmatzend im Gras und fragen uns im Anblick der untergehenden Sonne, ob uns unser Warmshowers-Host noch schreiben wird. Irgendwann klingelt dann das Telefon und wir werden die Ehre haben Matic kennenzulernen.

Eine Antwort auf Cycling the morning sun smile – Part 1: Göttingen – Ljubljana

  • Annette

    Oh man.( aber besser spät als nie) Heute habe ich entdeckt, daß ihr ja in den Block schreibt. Jetzt bekomme ich das Fernweh . Ich wünsche euch ganz viel Glück und tolle Erlebnisse.
    Ganz liebe Grüße
    Tante Netti

Karte

click to load map

Cycling the morning sun smile - Part 1: Göttingen - Ljubljana