Die ersten Tage auf skandinavischen Boden

Wir sind in Schweden! Noch ist hier im Süden nichts, außer vllt. ein paar Häuser und Birken, in weiß gekleidet. An den ersten Tage gleicht das Fahren auf unseren neuen Rädern eher einem Einfahren. Vieles wird getestet, verstellt und wieder rückgängig gemacht. Mit etwa 50 bis knapp an die 70 km pro Tag rollen wir auf möglichst kleinen Straßen Richtung Norden. Aus einer baumfreien, etwas hügeligen und landwirtschaftlich genutzer Gegend geht es schnell in eine größräumige Waldlandschaft über. Auch hier überwiegend auenlandähnliches Terrain, mit teils vielen kleinen Seen versehen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und mäßigem Ostwind wird uns so manchesmal in  den ersten Tagen recht kalt. Vor allem in den Pausen. Schnell merken wir auch, dass unserer Schuhwerk nicht den Wärmekomfort einhält, welcher laut Herstellerangaben versprochen wird. Trotz Vapour Barrier Liner (einer schweissaufhaltenden Plastiktüte, vergleichbar einer Dampfsperre) an den Füßen, werden unsere Zehen nur nachts in unseren Schlafsäcken wirklich warm. Dann morgens zurück in die kalten Schuhe schlüpfen, stellt ein Problem dar, welches uns auch noch länger verfolgen wird. Kälte an den Händen, im Gesicht, am Oberkörper und den Beinen stellt dagegen während der Fahrt und auch in den Nächten keine starken Unannehmlichkeiten dar. Nur das täglich zweimalige Umziehen der Klamotten  erweißt sich zunächst als gewöhnungsbedürftig. Aber mehr und mehr merken wir wie unsere Körper sich an die hiesigen von Tag zu Tag leicht abfallenden Temperaturen gewöhnen.
Die Nächte verbringen wir ausschließlich an der frischen Luft. Entweder bevorzugt unter freiem Himmel, unter unserem Tarp oder wenn abends auffindbar in oder unter von Menschenhand gebauten, nicht zum Schlafen bestimmten Gebäuden, wie Waldunterständen und Geräteschuppen. So verbrachten wir die Silvesternacht unter dem Dach der Wartestation eines sehr alten und schon seit langer Zeit verlassenem Bahnhofs. Züge brausen hier aber wie jeher gefühlt alle 10 Minuten vorbei.

Wir ernähren uns von dem, was die schwedische Wegwerfgesellschaft so zu bieten hat. Jeden Tag etwas Neues, Abwechslungsreiches. Man kann ökotrophologisch sogar von einer ausgewogen Vollwertkost sprechen. Sobald wir einem Supermarkt kreuzen, fallen Andi und ich über die Container her. Brot, Reis, Paprika, Sellerie, Möhren, Kartoffeln, Avocados, Mehl, Bananen, Äpfel, Birnen, Clementinen, Joghurt, 40% fetthaltige Sahne (hm, wie lecker), sogar Knoblauch, Ingwer und noch einiges Mehr ziehen wir raus und kredenzen zu jeder warmen Mahlzeit ein neues Rezept.
Zu Beginn dieser Reise nahmen wir noch an, dass die Tage viel zu kurz und die Nächte viel zu lang werden würden. Nun merken wir, dass durch unseren momentanen Lebensstil und den winterlichen Temperaturen, die Tage insgesamt zu wenig Stunden haben, um längere Strecken am Tag zurücklegen zu können. Unsere Tage, besser Andi’s Tage (ich drehe mich derweil nochmals gerne im warmen Schlafsack mehrmals um) beginnen meist schon vor 6 Uhr morgen. Andi taut dann über unseren kleinen Holzstickofen Schnee zum Kaffeekochen auf, köchelt unsere erste warme und energiereiche Mahlzeit des Tages und tippt immer wieder ein paar Zeilen in sein Mobile. Wir lesen uns gegenseitig morgens gerne etwas vor und Packen nach dem wärmenden Frühstück langsam, eben nur so schnell wie es bei den Temperaturen möglich ist, unser Gepäck zusammen. Routine, ja vorhersehbare und bekannte Langeweile stellt sich besonders hier ein. Dann geht es raus aus unserem Shelter, neuerdings durch die täglich höher anwachsenden Schneeflächen bis die mehr oder weniger verschneit oder -eiste Strasse erreicht ist. Immer weiter Richtung Norden fahren wir dahin, eben soweit es unsere Füße zulassen…

4 Antworten auf Die ersten Tage auf skandinavischen Boden

  • Awesome stuff!
    Super Reisebericht – echt cool das ihr on the Road seid und ab-abenteuert.
    Bin gespannt auf eure weiteren Berichten und Wünsche euch beiden großartige
    Zeiten und hoffe das es euch nie über die Schmerzgrenze friert!
    Hug
    Kai

  • Lea

    Hey Andi, lass meinen Bruder, die faule Socke nicht jeden Morgen so davon kommen. Er muss ja wenigstens ein bisschen was lernen auf einer solch schönen Reise! Passt auch eure Gliedmaßen auf! Lieben Gruß aus Wibbecke, Lilly

  • Conni

    Na ihr zwei aus dem Eis, ich denke jeden morgen an euch, weil meine Finger nach Raubtierfütterung so kalt sind wie euch beim Fahren ohne Handschuh…lach..hoffe, euere Haut ist schön lederich geworden, dann ist es nicht mehr so schlimm mit der Kälte, Hier ist es wieder milder geworden, aber Öfen laufen durch. Bin gespannt was ihr noch alles so erlebt, Denk an Euch dicke warme Umarmung von Conni

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