Eine Nacht im Tunnel

Ich hauste eine Nacht in einem Tunnel unterhalb der Bergenhus Festning. Falls ihr mal nach Bergen kommt, kann ich die Platte nur empfehlen. Der Tunnel ist von außen verschlossen, hinter Schloss und Riegel. Allerdings ist der Riegel nur scheinbar an dem eisernen Tor fixiert, so kann man ihn mit samt dem Schloss Abnehemen :)

Im Tunnel steht ein alter Schlafwagen mit zerschlagenen Scheiben und modrigen Betten. Die Tunnelwände zeugen von viel Kunst aus Spraydosen. Im Zug ging ich nur spazieren bzw. inspizieren. Er wurde schon von anderen vor meiner Ankunft zum Nächtigen genutzt. So ließ ich das Tunneltor offen, für den Fall das jemand nachts nach Hause kommt. Ich selbst schlief im Tunnel. Machte Feuer, kochte, Lesen und Schreiben, wie jede Nacht.

Aus Sicht auf das Hab und Gut hat sich Bergen auch gelohnt. Suchte ich doch nach ein paar bestimmten Dingen für meine Ausrüstung. Bspw. ein Messer. Eines welches scharf und robust ist. Eines womit man auch Holz spalten kann. So was wie mein Khukuri nur viel handlicher. Auf der Flucht vor Regen stoppte ich in einer Einfahrt. Mehr ein Eingangstor zu einem großen Industriegebäude der 30/40 Jahre. Ein guter Punkt um dem Regen zu entkommen. Denn im Innern befand sich ein ständiger Flohmarkt voller Schätze und irgendwo, tief vergraben auch ein Messer. Es wurde allen meinen Wünschen gerecht. Mit dem Ladenbesitzer kam ich schnell ins Gespräch, Thorlef sein Name. Sehr netter Mensch und auch ein Krimskrams-Liebhaber und Schatzsucher wie ich.
„wie viel kostet das?“ fragte ich ihn.
Er überlegt kurz und legte den Preis auf 30 Kronen fest.
So fing ich an ihm was zu erzählen: „Thorlef, du weißt ja, dass ich auf Reisen sehr viel gelernt habe und dass ich es gewöhnt bin auf einem Bazaar zu handeln. Der Preis ist wirklich gut und ich zahle ihn auch gerne, aber um dem Handeln gerecht zu werden…“
Er schaute verdutzt, und unterbrach die Geschichte „Aa, ja, ich verstehe: 20 Kronen“
Das Handeln ist wohl für in neu und die Regeln ihm nicht bewusst. Eigentlich hätte ich erst 15 sagen müssen und er daraufhin 25 bis wir uns auf 20 geeinigt hätten. Aber da es vielleicht das erste Mal für ihn war belehrte ich ihn nicht und stimmte ihm ganz einfach zu.

Wir gingen zusammen zu meinem Rad, um das Geld holen. „So reist du also in der Welt umher, mit diesem Rad, voll bepackt. Wie lebst du so? Und wie schläfst du?“
Da fing ich ihm an zu erzählen: Von meiner Konservendose als Feuerstelle, von nassen Socken und vielen Abenteuern. Vom Containern und Pfandsammeln habe ich ihm allerdings nichts erzählt
Als ich das Geld dann griffbereit hatte, lehnte er es ab. In meinem Kopf die Frage ‚taarof?‘
Ich verneine also erst Mal und sagte „aber 20 sind doch ok“.
Es sei doch für ihn wertlos das Messer, behauptete er, er brauche es doch gar nicht, und andere hätte er doch auch. Wenn ich ihm was geben wolle, dann soll es ein guter Gedanke sein. Darauf einige ich mich mit ihm gerne.

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