Eine Runde Rügen

Hey ihr, Grüsse aus Anderstorp. Hier ein Beitrag von vor einer Woche:

Nach ein paar Tagen im chaotischem Durcheinander zwischen halb geschraubten Fahrrädern, noch schnell zu nähenden Ausrüstungsteilen und viel zu wenig Schlaf, saßen wir am 29.12 endlich im Zug nach Rügen. Die Fahrt verging dank Schlafmangel wie im Flug und das mit Teppich ausgelegte Fahrradabteil glich, abgesehen von der überdrehten Heizung, dem Bequemsten meiner Träume.

Eine erste (erneute) Feststellung auf Rügen war, dass Temperaturen knapp über Null, mit ausreichend Wind, sich auch schon zu genüge kalt anfühlen können. Allerdings waren einige der vielen Kleidungsschichten noch in den prallen Gepäcktaschen. Außerdem müssen sich unsere Körper erst an dieses ständige Draußen-Gefrierfach gewöhnen.
Eine zweite Feststellung waren Niklas Waden, die sich erst noch ans Radeln gewöhnen sollten. Und eine dritte war die Namensrreihenfolge von Herrn Friedrich. Dieser heißt nach eingehender Diskussion doch zuallererst Caspar und dazwischen erst David.
Rügen beherbergt neben anderen schönen Sonderlichkeiten auch die ausnahmlos strengsten Fahrradverbotsschilder. Diese, ausgeführt in zwei Sätzen, erlauben nichtmal das bloße Mitführen von Fahrrädern. Doch wer schwerhörig für Verbotsschilder ist, wird mit Fahrradwegen entlang der Kreideklippen in höchster Schönheit belont. Allerdings auch mit unzähligen Treppen, Wurzeln und Steilanstiegen, die die Wege nicht wirklich als Fahrradtauglich beschreiben.
Die erste Nacht verbrachten wir hoch über dem Meer, am Rand der sich hinabstürzenden Welt. Zu Essen gab es, aus Mangel an frisch containertem, aufgekochtes Reservegranulat, gefunden in Mülltonnen der Vorzeit: Weizengries mit Erdnüssen.
Erst auf dem Weg zur Fähre übergossen uns die Mülltonnen der Wohlstandssupermärkte mit neuem Proviant. Darunter Blöcke voller Fettversorgung, Obst und eingelegte Gurken.

Viel zu früh am Fährhafen angekommen, verbrachten wir Stunden im Windschatten des Bordershops. Einem riesigen Schnapsladen. Für viele Deutschlandreisende aus Schweden der einzige Grund zur Ostseeüberquerung. Nicht selten kamen die selben Menschen mehrmals mit groß gefüllten Einkaufswägen an uns vorbei und beluden ihre Autos stoßweise bis sich die Karosserie merklich den Hinterreifen annäherten.

Ein Glück, endlich gehts los. Wir waren die Ersten und durften noch vor allen Autos dir Rampe hinauf in den Schiffsschlund fahren.

2 Antworten auf Eine Runde Rügen

  • Gerlinde

    Lieber Andi, wie schreibst du immer so schön. Bin ganz gespannt auf deine zukünftigen Abenteuer und Geschichten. Wir sind im Sommer wieder ganz oben. Fahren bis Kiruna, Abisko und dann rüber in die Vesteralen, über die Lofoten und Fjordnorwegen zurück. Werden im Auto schlafen.

    Liebe Grüße, und passt auf euch auf!

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