Frühstück im Geräteuntetstand

Das Wasser im Topf wechselt wie erwünscht lamgsam seinen Aggregatzustand vom festen Schnee, über flüssiges Wasser zum ersehnten Guten-Morgen-Kaffe. Es ist halb 6 (05.01.16) und Niklas schläft noch eingepackt in seinen Schichten. Zum nächtigen bot sich in der nachmittaglichen Spätabenddämmerung ein Geräteunterstand an. Er ist knapp vier Meter hoch und zu einer Seite offen. Wir teilen ihn uns mit einer Mähmaschine. Ich sitze im Schneidersitz, vor dem Konserverndosen-Holz-Kocher, würden nicht die lodernden Flammen all mein Lichtempfinden gleichzeitig bedienen, könnten sich meine Augen auf die Dunkelheit einlassen und ein Ausblick in die schneeweiße Winterwelt würde sich nur wenige Meter vor mir eröffnen.

Der Kocher ist von einem Alublech als Windschutz umgeben. Darauf lagert Holz dessen Eisschicht langsam taut und verdampft. Auf dem Holz liegt zum Tauen ein Papppack Vanillesoße. Einmal verflüssigt, wird sie Teil unseres Frühstücks werden. An Vanillesoße und verschiedenen Joghurts in 1l Papppacks mangelt es uns nicht. Ich wunderte mich schon als Niklas eine Packung nach der anderen aus der Supermarktmülltonne zog. Er dachte es wäre Saft. Nun denn, so trinken wir halt Joghurt. Bei bereits weggeschmissenen its es mir auch relativ gleich, wenn das Futter nicht vegan ist.
Neben Mandarinen und einem Apfel wird unser zwei Gänge Frühstück zu erst aus den Resten der gestrigen Suppe bestehen. Einem wirren Gemänge aus Mülltonnenerbeutetem, vornehmlich Rüben, Broccoli und Schnee. Tiefkühlkost, täglich.

Die Straße ist nur knapp hundert Meter entfernt. Sie ist seid ca. zehn Kilometer von einer ununterbrochen Eisschicht bedeckt. Fahre ich in der Dunkelheit hinter Niklas, spiegelt sein Rücklicht die ganze Straße rot. Bisher die vereisteste Straße. Die meisten Straßen sind weitestgehend eisfrei. Vorgestern rutschten meine Reifen einfach weg. Ich fuhr am abfälligen Straßenrand und konnte das Eis unter dem Schnee nicht sehen. Zum Glück war ich nicht schnell und blieb unverletzt. Nur meine rechte Hand ist etwas angeschlagen und ich kann nichts mehr greifen. Seid dem geht mir alles mit links von der Hand, glücklicherweise sind wir zu zweit, demnach fehlen uns gemeinsam nur ein viertel unserer Hände. Aber die Hand wird besser, ich kühle sie zu Genüge :)
Bis gestern Mittag fuhren wir noch mit normaler Mountainbikebereifung und ließen die Spikebereifung noch im Gepäck. Der Gedanke dahinter war, ihre Nägel nicht schon auf dem Weg nach Norden auf eisfreien Asphalt stumpf zu fahren. Aber nachdem sich Niklas gestern auch einmal mit dem schweren Rad auf die Seite legte (im Schneckentempo, nichts passiert) haben wir im letzten Sonnenlicht die Bereifung gewechselt. Eis kann uns jetzt nichts mehr, die Reifen krallen sich, unter monoton laut krächzenden Rollgeräusch, in die Fahrbahn.

So viel zu berichten, aber noch mehr zum Frühstück und Niklas ist mittlerweile auch erwacht. Bis dann…

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Kurzes Update, knapp eine Woche später: keine Sorge, meine Hand ist so gut wie neu.

2 Antworten auf Frühstück im Geräteuntetstand

  • Patrik MAdsen

    Still alive and kicking are you :-) Got all fingers left? I was thinking, now, traveling Sweden during wintertime, why not have one of those cones that you put infront of your face to stopthe wind. You know, the same ones the mopedists use…

    • Happy Homeless Hippie
      Happy Homeless Hippie

      Hi Patrik, until now our faces are still smiling and didnt freeze. One day I will build a windprotection for the Hands like the motorbikes have. Will do it with a half 5 litre bottle. But this trip, its our feed that are our Problem.
      Where are you going to travel? may be we will meet somewhere

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