Helges rollende Butze und spontane Begegnungen

„now you take it there, and I pull here and huuhhgth, aarrghh, once more huuhhgth“
Helge, versucht unerbittlich das riesen Teil zu stämmen. Niklas und ich versuchen ihm zu helfen, doch scheitert es noch an dem fehlenden tiefen Vertrauen in die Vorgehensweise. Niklas wankt beständig zwischen Lachkrämpfen und den immer wiederkehrenden fragenden Einwürfen an Helge: „Helge let’s think about it, there must be another way“
Helge hingegen stämmt und zieht aufs neue huuhhhght. Ich stehe am Ende, halte mit meinen Beinen das Ding ab die Rampe wieder herunterzufahren, habe das Gefühl mir irgendwas zu brechen, wenn ich noch mehr versuche jetzt einfach stumpf zu heben und lache dabei genauso wie Niklas. Dieser startet wortsuchend in seinem selten angewandten Englisch einen erneuten Versuch den Plan zu durchdenken: „Do you have a towel?“ Ich verstehe ihn und werfe hinterher: „rope?“
Helge lässt los, überlässt uns das Ding und sucht in seinem Auto. Niklas und ich lachen, nicht gänzlich nüchtern, über die absurde Situation im Schnee zu stehen und das Gewicht eines Rasenmähertraktors zu stämmen. Wir lachen über Helge, er ist klein, etwas stämmig, liebenswert lustig, glücklicherweise offen extrovertiert, obenrum ausschließlich mit einer Weste bekleidet und bringt uns Abwechslung in den Alltag.
Nebenbei ist sein meist gebrauchtes englisches Wort ‚fix‘, so zeigte er uns fix wie man ein Bett bezieht „now this there and fix it“ oder erzählte von seiner Frau „she works in a apothecary, if you have problems, she will fix it“ und als der Traktor endlich auf dem Anhänger stand klatschte er sich den Schnee von den Händen und sagte anschließend „now let’s fix it“.
Wir lernten ihn im Dorfladen von Tived kennen. Unsere Füße machten uns mal wieder Probleme und der Dorfladen, als einziger weit und breit, kam wie gerufen. Neben einem Sortiment vom Zimmermannswerkzeug über Gemüse bis zu Kleidung beherbergt der kleine Laden gemütliche Tische und Stühle. Nach einiger Zeit des aufwärmenden Verweilens trat Helge in den Raum, erzählte von hier und da und bot uns seinen Bauwagen für eine Nacht an. Ein alter Militärwagen, etwa zwei Meter lang, mit zwei eingebauten Betten und fast fertig ausgebaut. Das Angebot regte muckelige Phantasien. Nach kurzen Hin und Her unserer Gedanken stand fest, dass die Fahrt nach gut 30 km beendet ist, sich die Pause im Dorfladen in die Länge zieht und irgendwann im Bauwagen der Ofen eingeheizt wird.
Nach einem erholsamen Spaziergang zum See weihte uns Helge in seinen Bauwagen ein, zeigte wie weit er schon ausgebaut ist und offenbarte uns den Plan, bis zum Sommer auch den Ofen fertig anzuschließen. Er möchte ihn dann an Touristen vermieten und ihn hinziehen wo auch immer sie es möchten (bei Interesse in Tived im Dorfladen nach Helge fragen). Unsere Phantasien vom warmen Wagenleben lösten sich prompt in der frostigen Luft auf. Der süße kleine und für die Bauwagengröße optimal dimensionierte Ofen stand zwar schon im Wagen, aber ein Ofenrohr war weder angeschlossen noch hatte er eins parat, welches wir ihm anschließen hätten können. Wir breiteten das Tarp vor dem Bauwagen aus, halfen Helge bei seiner spontanen Idee den Rasenmähertraktor auf den Anhänger zu wuppen und entzündeten zum Kochen den Koservendosenkocher direkt vor dem Bauwagen. Die Nacht verbringen wir gezwungenermaßen mit offener Tür, denn während dem Kochen haben wir dummerweise vergessen sie zu schließen und so den Wagen in eine Räucherkammer verwandelt.
Morgens stellt uns Helge Freunden vor und spendiert uns leckeren Kaffe.

Das Fahrradfahren im Schnee macht tierischen Spaß, wie Schlittenfahren nur mit Pedalantrieb und der Verkehr hält sich auf den kleinen Straßen zum Glück in Grenzen. Bis auf die Füße macht uns die Kälte bisher auch nichts aus.

Im Gegensatz zu den bisherigen meist einsamen Tagen sollte uns der Tag um einige unterschiedliche Begegnungen bereichern. Bei einem ersten Stopp in Askersund füllen wir unseren Benzin betriebenen Zweitkocher mit frischem Sprit und bekommen direkt die nächste Kaffeeinladung. Allanna betreibt eine Schokoladenfabrik (Venus Choklat) und stellt mit ihren Mitarbeiterinnen von Hand verschiedenste Pralinen her. Außerdem und zu unserem Glück ist sie sehr Fahrradinteressiert. Allerdings fährt sie real nur im Sommer. Im Winter hingegen fährt sie auf dem Hometrainer und sieht auf dem Computerbildschirm eine virtuelle Fahrradfahrerin mit ihrem Gesicht auf einem Carbon Flitzer. Sie stellt einen Ventilator vor sich, so erzählt sie und fährt virtuelle 100 km.
Nach äußerst erfolgreicher Containertour in Askersund und weiteren netten bis skurrilen Begegnungen stoppen uns Abends noch Journalisten. Bisher sind sich die meisten Menschen aber einig in ihrer Meinung über unsere winterliche Tour: „you are idiots“

4 Antworten auf Helges rollende Butze und spontane Begegnungen

  • Hallo liebe Andy und Niklas! Wie toll war es Sie beide kennen zu lernen in unseres kleines Dorf Tived im Dorfladen Tivedshandel!
    Jeder hier in der Nähe sind begeistert über Ihre Abenteuer, Mut und Ihr positives Ausdauer Viel Glück und Spaß zusammen und wir hoffen Sie erreichen Ihr Ziel Umeå
    Ich habe noch viele bilder von Sie, genommen hier in Tived. Ich will diese Sie gerne senden aber leider bin ich Ihre E-mail Adresse verloren. Bitte schicken Sie mir Ihre auf unserem Camping-Email Adresse. Ich habe diese schon ausgefüllt hier in Ihrer Blogg. Danke und alles Gute!
    Heja! (Schwedisch für ermutigen)

    • Happy Homeless Hippie
      Happy Homeless Hippie

      Hey ihr, schön von euch zu hören. Wir sind nähe Falun und machen ein paar Tage Pause bei lieben Menschen. Danke fuer die Einladung, aber bei Engelholm kommen wir nicht mehr vorbei, gleich gehts weiter Richtung Norden. Brrrr, das Thermometer zeigt gerade -24,8

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