Indische No-Budget Odyssee

  • Wann: 2010/2011
  • Wie lange: Wie lange: 18 Monate auf dem Subkontinent, davon ungefähr die Hälfte mit dem Fahrrad
  • Wie weit: Ist egal ... ach all dieser Zickzack

Eine Fahrradreise war eigentlich nicht geplant, als ich im März 2010 für ein drei monatiges Praktikum in einem Agroforstprojekt, nach Nepal flog. Der Plan war nach dem Praktikum zu zweit einen Monat durch Nordindien zu reisen und anschließend mit meiner Tante Netti einen Monat Ladakh auf standard Touristenwegen zu entdecken. Aber schon vor Abflug veranlasste mich der Trotz auf unseren konsumtriefenden Allgemeinzustand zu der Idee, den Rückflug einfach nicht wahrzunehmen.

Die Zeit im Praktikum in Kaule war sehr schön. Ich lernte ein paar ein paar sehr bereichernde Menschen kennen und arbeitete einerseits direkt mit den Familien auf den terrassierten Feldern. Andererseits mit den anderen Volontieren im Demonstrationszentrum des Projektes. Dort konnte ich mich wirr konstruktiv austoben und baute an den Ställen, trug viel Erde von hier nach dort und zurück und buddelte einen Teich mit dazugehörigem Bewässerungssystem.
Außerdem war ich frei in meiner Zeiteinteilung und verbrachte einige Zeit in Kathmandu und wanderte während den Monsunanfängen zwei Wochen durch den Langtang Nationalpark. Die Menschen in Nepal, die Ruhe welche einige ausstrahlen. Die Gelassenheit mit welcher oft so viele am Feldrand hocken, das Feld im Rücken und den Ausblick in die Ferne vor den Augen. Tee und Raksi im ausgeglichen Verhältnis zur Arbeit, wundervoll. Ich wusste sicher, dass ich in naher Zukunft wieder da sein werde, als ich Nepal gen Indien verließ.

Wenn ich Worte Suche um Nepal zu beschreiben, kommt aus meinem tiefsten Innern schönstes an Gedanken. Ja, Nepal ist für mich einfach schön. Indien hingegen, dieses gewaltige Konglomerat aus unendlichen Facetten, welche sich ewig meinem Begreifen entzogen, ist für mich einfach ’nur‘ interessant. Ob ich die Zeit in Indien im Allgemeinen wirklich schön finde, kann ich weder für meinen 11 monatigen Zivi 2008 sagen noch für diese Reise. Doch fühle ich mich angezogen, in einen Bann gerissen von diesem Land aus Gegensätzen.

Ladakh überwältigte mich mit unbeschreiblichen landschaftlichen Dimensionen. Meine Tante und ich entdeckten die Region auf gut eingefahrenen Jeeptourrouten. Jede Minute, die ich mit meinem Gesicht an der Innenscheibe eines Jeeps hing und das Land schlaglochgerüttelt an uns vorbei ziehen sah, festigte den Gedanken ein Fahrrad aufzutreiben. In Ladakh war ich leider in dieser Hinsicht erfolglos.
Ich lernte reisende Freunde kennen, die meine Reisepläne maßgeblich mitformten, sodass ich sie während dem gesamten Aufenthalt auf dem Subkontinent immer wieder treffen sollte.
Die Flut im August 2010 in Ladakh brachte neben den katastrophalen Auswirkungen für die dort lebenden Menschen auch die Reisepläne meiner Tante und mir durcheinander. Meine Tante nahm letztlich einen Rückflug nach Delhi und ich einen Sammeljeep zum Tsomoriri. Von dort aus lief ich eine Woche durch eine Menschenleere (ich traf nur auf leere Nomadenplätze) Gegend nach Pong. Eine vollkommen ungeplante Wanderung, ich hatte nicht mal einen Schlafsack dabei (keine Sorge, ich lernte aus dieser Wanderung!). Von dort aus war die Straße nach Manali befahrbar und ich reiste per Anhalter nach Delhi.

Dort rechnete ich grob über meinen Finanziellen Rest, teilte ihn in drei grobe Teile und kaufte mir anschließend ein qualitativ gar nicht so gutes chinesisches Mountainbike für 7000INR (etwas über 100€). Der zweite Teil sollte für ein weiteres Nepalvisum dienen (90$) und der dritte Teil meinen Lebensunterhalt so lange zu Gute kommen wie dieser Teil denn reichen sollte.

Mein Rückflug nahm ich also wirklich nicht, schnallte stattdessen das Gepäck aufs Rad und nahm die großartige Möglichkeit war die Welt und ihre wundersamen Bewohner*innen in einer Form zu bereisen, die einem nur zugänglich ist wenn die Kohle ausgeht.

Auf der Karte ist die Route der gesamten Fahrradreise zu sehen. Allerdings fuhr ich meist nur wenige Tage, setze mich dann an einem Ort fest, oder setzte die Reise per Anhalter fort. Doch früher oder später zog es mich immer zum Rad zurück sodass ich nach ungefähr einem Jahr pedalierend die gesamte Strecke von Delhi zu meiner früheren Zivistelle in Orissa zurücklegte.

Karte

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