Kopenhagen und ab nach Hause

Die fabelhafte Zeit in der alten Keramikfabrik mitten in der Pampa war nun also vorbei. Dort war jetzt ein feministisches Camp. Nicht, dass die uns nicht dahaben wollten, es war einfach nur komplett ausgebucht mit 80 TeilnehmerInnen und kein Platz für nicht angemeldete Menschen. Aber gut, ich werde ein anderes Mal wieder dort vorbeischauen, dann etwas länger vielleicht.

Etappe 11: Ich bin mit Martin nach Kopenhagen gefahren, er macht die 80 km so ein/zweimal im Monat mit dem Rad oder per Anhalter und kennt somit die Strecke. Er hat sich spontan beim Schweißkurs einen Frontgepäckträger zusammengeklebt, auf dem er nun seinen Rucksack in die dänische Hauptstadt transportieren konnte. Wir hatten eine nette Fahrt, irgendwann war es total trüb, aber nicht nebelig sondern eher so staubig als ob es irgendwo gebrannt hätte oder wie manchmal in den Alpen wenn Sand von der Sahara rüber kommt. Es roch nach nichts. Man konnte nur nicht mehr weit schauen.

In Roskilde haben wir eine kleine Pause eingelegt, den mitgebrachten Proviant verspeist und über Selbstverwaltung und Solarkraft diskutiert. Er ist da ein Spezialist, hat sich bei einem Projekt in Litauen, wo er herkommt, viel selbst beigebracht. Die Makvaerkler haben irgendwelche Solarpanels aufgetrieben, sie aufs Dach montiert und Martin versucht nun sie mit speziellen Messungen und einem selbstgeschriebenen Code zu optimieren. Er hat in eine alte Videokassette als „Karosserie“ ein Dutzend verschiedene Bauteile zusammengelötet und verkabelt. Das Ding kann jetzt aufzeichnen, wenn die Messpunkte installiert sind, wo es wann wie warm ist und folglich erstens wo die meiste Energie verloren geht und man noch isolieren müsste und zweitens wie man das Ding ansteuert, damit es am effektivsten arbeitet. Und kochen darf das Wasser auch nie, sonst platzen die Leitungen… Komplizierte, aber hoch interessante Angelegenheit, würde ich sagen! Scheinbar sind herkömmliche Solarpanels einfach so geschalten, dass sie grundsätzlich nie das Kochen anfangen, aber mit ein wenig intelliegenter Steuerung kann man da viel mehr rausholen, vor allem im Winter.

Aber nun nach Kopenhagen:

Absurd inmitten dieser hochmodernen Glasbetonwüste zu baden. haha aber irgendwie ist das Bild lustig, finde ich.

Absurd inmitten dieser hochmodernen Glasbetonwüste zu baden. haha aber irgendwie ist das Bild lustig, finde ich. Die Idioten mit dem Motorboot tragen ihren Teil dazu bei…

Ich bin in CPH zuerst in der Jomsburg untergekommen. Jens-Peter, den ich bei Naja kennengelernt habe, wohnt dort normalerweise. Die Jomsburg ist ein Haus in einem Villenviertel in dem 19 Studenten eine riesen Wohngemeinschaft haben. So weit, so gut, ich wurde nett empfangen, man zeigte mir Jens-Peters Zimmer. Es war gerade als Zwischenlager bei Renovierungsarbeiten in Benutzung. Dann wurde entschieden, dass es besser ist, wenn ich in einem anderen Zimmer im Dachgeschoss schlafe, das auch gerade leer war. War schön da oben. Viel mehr außer dem großen Bett und einem winzigen Tisch war nicht drin, hätte aber auch nicht reingepasst. Man konnte durchs Fenster raus auf einen Minibalkon gehen.

Ich bin dann ein wenig durch die Stadt gezogen. Und bin auf Christiania gestoßen, wer hätte es gedacht. Allerdings nicht auf dem klassischen Weg vorne rein, wo die ganzen Pusher ihr Weed an jede Menge Wahnsinnige verkolpfen sondern eher zufällig hinten rum auf der alten Wallanlage. Hier war alles wunderbar grün, ausdrückliches Autoverbot und jede Menge lustiger halb selbstgebauter Häuschen standen herum. Direkt am Wasser, im Wasser(!) und weiter oben am Hang.

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mitte: Claus Smiths schwimmendes selbstgebautes Haus mit vorgelagerten Brutinseln für seine Lieblinge

Als ich diese Zeichnung gemacht habe, kam irgendwann ein kleiner alter Mann angeradelt und freute sich, er sagte „You are painting my house!“ und lud mich ein mit rein zu kommen. Es war wirklich toll bei ihm! Er hat unten seinen Wohnbereich, 2 Chaiselongues mit überwältigendem See- und Seevogelblick. Einige Meter vor seinem Haus hat er künstliche Inseln angelegt auf denen die Tiere nun nisten. Natürlich gibt es einen Balkon. Naja eher eine Terrasse einmal rund um die kleine schwimmende Holzhütte rum. Und dann kommt man über eine, von ihm geschmiedete Leiter ins Obergeschoss.

Der Blick aus dem Wohnzimmer! Danke Claus für die Einladung!!

Der Blick aus dem Wohnzimmer! Danke Claus für die Einladung!!

Er hat eine lange Zeit auch die berühmten Christiania-Bikes gebaut, die ersten post-automobilen Lastenräder. Deswegen auch der Name, es gab mehrere Claus und er war dann eben der Smith. Bevor diese stinkenden Autos aufkamen, waren Lastenräder völlig normale Gefährte. Doch da in Kristiania Auto-Verbot herrscht, wurden die Dinger wieder notwendig. Und haben sich von dort wieder in die ganze Welt verbreitet. Dort ist ALLES voll mit Lastenrädern in den verschiedensten Formen und Variationen. Eine Welt ohne Autos eben. Tja, wie schön wär das, schnief…

Ach ja, oben jedenfalls war dann sein Bett und noch eine Wärmekammer, eine Art Gewächshaus (das gelbe Ding auf der Zeichnung) das in den dunklen Wintermonaten optimale Aussnutzung der wenigen Sonnenstrahlen gewährt. Das ganze Haus hing voll mit verschiedensten Bildern von befreundeten Künstlern, er hatte auch eine Sammlung von Zeitschriften, in denen er mit seinem Haus abgedruckt worden ist. Ich glaube er hat gesagt, dass er schon seit 30 Jahren in Christiania wohnt. Zuerst in einem UFO-artigen Haus nebenan, bis er sich dann dieses gebaut hat. Mittlerweile ist es beinahe unmöglich noch neue Häuser dort zu bauen. Warum weiß ich nicht genau… Wahrscheinlich würde es sonst völlig überhand nehmen. Und es ist auch extrem hart in eines der Häuser einziehen zu dürfen, wenn es leer wird. Es wird dann ausgeschrieben, man muss sich bewerben und eine Auswahl der Bewerber stellt sich dann einem Rat vor. Die wiederum wählen dann aus wer neuer Bewohner von Christiania wird. Es wohnen rund 600 Leute dort.

Man kann nichts hören außer Vogelgezwitscher, Entengequake und das leise Plätschern des Wassers am Haus wenn man bei Claus sitzt und Tee drinkt und Süßholz kaut. Und außer Wasser, Schilf und Bäumen und 2 anderen Häusern ist auch nichts im Blickfeld. Mal wieder ein kleines Paradies, wo ich da gelandet bin! Und das direkt in der Großstadt!

Bin dann nach diesem überwätigendem Einblick weiter an dem See entlang spaziert und doch noch im Zentrum gelandet. Mein Rad hatte ich zur Abwechslung mal irgendwo angesperrt. Zu Fuß hat man mehr Ruhe und kann mehr entdecken. Und es ist viel einfacher, mal so anzuhalten und zu Zeichnen.

Eines der ersten Häuser Christianias, die ich gesehn habe. Der Bewohner hat mich eingeladen, als er gegangen ist, doch noch in seinen Garten zu schauen, der wär so schön. Hab ich mir angesehn, Tatsache, Recht hat er! Mit Seeblick.

Eines der ersten Häuser Christianias, die ich gesehn habe. Der Bewohner hat mich eingeladen, als er gegangen ist, doch noch in seinen Garten zu schauen, der wär so schön. Hab ich mir angesehn, Tatsache, Recht hat er! Mit Seeblick.

Zurück in der Jomsborg war irgendwie die Zimmertür abgeschlossen, der Schlüssel steckte, das haben die da alle so. Ich dachte mir, ich leg den Schlüssel einfach rein und mach die Tür zu, dann muss ich nicht immer aufsperren. Sehr dummer Gedanke. Die Tür war zu. Und der Schlüssel im Zimmer. Und meine ganzen Sachen auch!! Wir haben dann im Schlüssellager geschaut, Fehlanzeige, kein Ersatzschlüssel und auch an allen anderen Orten war nix mehr. Die Bewohnerin war irgendwo in Norwegen und wie uns dann ihr Freund sagen konnte, mit ihr der Zweit-Schlüssel. Ich hatte das Fenster offen gelassen. Die Plan, über einen anderen Balkon hinauszuklettern wurde sofort verboten. Völlig verrückt und unmöglich. Eine der anderen Jomsborgerinnen meinte, dass man es übers Dach probieren könnte, wenn wir den anderen nichts davon sagen. Es gab eine Luke durch die man auf das Flachdach gelangen konnte. Ich bin also unter den Solarpanels durchgekrochen und dann hats mich erstmal geschauert als ich über die Kante geguggt hab. Bestimmt 20 Meter war das Haus hoch. Und der Balkon wirklich verdammt winzig. Wollte schon aufgeben aber dann hab ich einen Tritt an der Befestigung des Balkons in der Hauswand entdeckt. Wenn ich mich bis dahin runterlassen könnte, würde ich als nächstes aufs Geländer steigen können und dann wär ich schon drin! Also hab ich die Satelitenschüssel auf ihre Stabilität getestet und als vertrauenswürdig befunden. Hab mich dann langsam am Bauch liegend rückwärts nach unten geschoben und mit dem Fuß rumgetastet, bis ich irgendwann den Tritt erwischt hatte. Der Rest war easy. Eigentlich war alles easy. Ich hätte auch direkt runterspringen können. Aber in der Höhe ist eben alles ein bisschen anders.

Am Tag drauf habe ich mich nochmal mit Martin getroffen. Er ist in einem anderen Kollektivhaus im Norden Kopenhagens untergekommen, Apokafet. Viele der Leute, die dort wohnen, waren oder sind auch in Makvärket aktiv. Auch ein nettes Plätzchen! Es ist ein gelbes Einfamilienhaus in einem Vorort-ähnlichen Wohnviertel mit einem großen wilden Garten außen rum. Und mit verschiedenen lustigen An-, Um- und Ausbauten. Sie haben das komplette Haus nachträglich unterkellert und auch die Erde außenrum teilweise entfernt, so dass unten Tageslicht ist. Die Erde ist dann, vermute ich, auf dem riesigen Grasdach gelandet, eine Verlängerung der alten Garage. Unten drunter ist Geräteschuppen und Fahrradabstellplatz. Im Garten steht noch ein ausgebauter Bauwagen, in dem ich auch noch 2 Nächte schlafen durfte. Außerdem gibts einen großen Klotz ein dem Bad & Klo sind und oben drauf eine Dachterrasse! Und wie detailverliebt und hochwertig das alles gemacht wurde! Überall sind schöne Böden, im Keller unten ein spezieller Lehmboden mit Pferdescheiße, der weich und warm zu sein scheint wenn man barfuß drauf läuft, aber eigentlich ist er steinhart. Die Bäder sind mit Mosaiken gefließt, das Klo war ganz dunkel und erdfarben gehalten und auch die Küche ist hervorragend ausgestattet. Fand ich wirklich sehr beeindruckend! Und erstrebenswert!

Die Flydende By, wie das Projekt auf dänisch heißt.

Die Flydende By, wie das Projekt auf dänisch heißt.

Man hat mir in Makvärket von einem Projekt erzählt, wo sie verschiedenste Boote bauen um am Ende ein autarkes schwimmendes Dorf zu haben! Musste ich sehen! Die Floating City ist logischerweise am Kopenhagener Hafen zu finden gewesen. Ich bin mit Martin hingefahren. Ein lustiger, rauer und bunter Haufen ist da am Werkeln und Rumlümmeln. Sie hatten eine Halle bekommen, wo sie ihre schwimmenden Dinger zusammen schweißen können, unter der Bedingung, dass sie sie am Ende abreissen. Der Abriss war in vollem Gange als wir da waren, gleichzeitig wurde dort aber auch noch gewohnt und ein bisschen gearbeitet. Haha. Haben dann mal zum Anlegeplatz geschaut. Realitv undefinierbare Objekte liegen da angtaut im Wasser.

Boot mit Kohlefaseraufbau.

Boot mit Kohlefaseraufbau.

Der künftige Sanitär-Katamaran, bestehend aus einem halben Dutzend leerer zusammengeschweißter Gastanks, war noch eine Bausstelle. Es gab auch ein Gewächshausboot! Dann war Mittagessen fertig. Die ganze Bagage ist zurück zur halb abgerissenen Werkstatthalle gefahren, teils mit diesen motorisierten Gefährten mit denen Gehbehinterte manchmal unterwegs sind. Aber wesentlich schneller, ich denke sie haben die Drosselung entfernt oder noch aufgemotzt. Die Dinger haben schon 20 Sachen geschafft. Es gab auch jede Menge Fleisch bei den Seeleuten. Und Rum-Cola. Im 10-Minuten-Takt ist ein Flieger über die Einöde dort gedonnert, so dass man sich kurz nicht verständigen konnte.

Der Landweg-Fuhrpark. Die Behindertenfahrzeuge hatten auch Anhänger!

Der Landweg-Fuhrpark. Die Behindertenfahrzeuge hatten auch Anhänger!

Die hatten sich aber schon völlig dran gewöhnt. Witzige Truppe!

Und dann auf zur nächsten Station: Hawila ist ein altes Segelschiff. Es liegt da am letzten Zipfel Land vor dem Flughafen. Wir sind da hin geradelt. Martin meinte, „its always nice on the hawila-ship.“ Wir wussten, dass an dem Abend Sufi Sience dort stattfinden würde. Aber wir hatten keine Ahnung was das sein sollte. Als wir angekommen sind, saßen die Leute fröhlich auf der Wiese in der Sonne, einer hat sehr abstrakte Mantra-artige Sounds mit Bass und Loopstation kreirt und manche yoga-ähnliche Übungen vorgeführt. Irgendwann hieß es dann: „So, nun können wir beginnen.“

Hawila-Zeichnung wurde auf der Theke mit einem Smartphone abgelichtet und sieht deswegen nach Bearbeitung etwas komsich aus.

Die Hawila-Zeichnung wurde auf der Theke mit einem Smartphone abgelichtet und sieht deswegen nach Bearbeitung etwas komsich aus. Das Lustige ist, dass verrückten Farben sogar mehr oder weniger der dort herrschenden Lichtsituation entsprechen.

Das Schiff mit Wiese und Fahrrad-Dschungel

Das Schiff mit Wiese und Fahrrad-Dschungel

Alle Anwesenden sollten sich in einem Kreis aufstellen, umarmt, und schweigen. Die tiefstehende Sonne schien uns ins Gesicht. Manche hatten die Augen zu, andere schmunzelten, der Rest beides. Danach hat eine stark geschminkte ältere Frau alle Leute Willkommen geheißen und eingeladen aufs Schiff zu kommen. Langsam fing indische Musik an und die Yoga-Übungen weiteten sich zu Tanz aus. Ein grüner Kobold kletterte langsam an den Wanten hoch (= Taue zum seitlichen Stützen des Mastes; bei Segelschiffen durch eingebundene Webeleinen zu Strickleitern zusammengefaßt – sagt mir das Internet) und machte Kunststücke dabei. Eine Frau malte sehr akkurate Mandalas auf das Schiff. Die Musik wurde schwungvoller, Gesang kam hinzu, erst langsam gesungen, dann so ganz schnell takkadidakdudakdak-Style (hat bestimmt einen Namen) bis irgendwann ein Schiffshorn blies und alles übertönte. Ich dachte, irgendjemand würde sich an der Musik stören und irgendetwas wie „überall sind diese Spießer!“ Alle waren etwas verwirrt und fingen von neuem an. Jetzt auch mit sehr experimenteller verzerrte Gitarrenmusik und die Koboldin spielte Trompete von ganz oben. Ein Floß schipperte außerdem herum, die Leute badeten, einer spielte Klampfe auf dem Floß. Der Tanz wurde ekstatischer, viele turnten im Tauwerk des Schiffes herum. Und wieder die brutale Tröte, die alles unterbricht. Die Musiker grooven sich wieder ein, so ein Bilderbuch-Hippie, barfus, Bart, lange, zottelige Haare spielt Gitarre und singt irgendeinen bekannten englischen Song zur indischen Musik. Ich dachte mir ich folge mal der Aufforderung und gehe auf das Schiff! Habe mir von der Mandalamalerin, eine Deutsche – was ein Zufall, einen Stift geborgt und irgendwo einen großen weisen Zettel gefunden auf den ich nun die Situation festhalten wollte. Bin auf den Besanbaum (=fetter Mast, der das hintere Segel aufspannt) geklettert und habe gezeichnet. Dann kam auf einer Luke ein Typ mit einem Megaphon-artigen Ding und hat wieder die Schiffshupe geblasen. Das war also irgendwie geplant! Danach hat er mit Teer und einem Busenbrenner rumhantiert und Stellen vom Schiff abgedichtet, glaube ich. Irgendwann kam der Sufi vorbei, ein Mensch, der bisher recht wenig aktiv gemacht hat, er war immer nur neben den Musikern gesessen und hat meditiert. Er hat mir und den anderen ein Stück Zartbitterschokolade gegeben und uns gesegnet und dann hat er auch mit „gerapped“. Und 2 Leute mit Kameras sind auch andauernd unterwegs gewesen. Aber nicht penetrant, sondern eher auch als Teil des großen Jams. Hier hab ich das Video gefunden, bin auch drauf:

Irgendwann tat mir der Arsch so weh, dass ich da oben nicht mehr weiterzeichnen konnte. Habe dann einem Mädel, das jonglierte, die Bälle geklaut – man kann das so machen, dass man ohne Unterbrechung weiterjongliert. In die andere Richtung hats leider nicht geklappt… Was ich sehr bemerkenswert fand, war wie völlig leicht und unbeschwert alle drauf waren! Und so ruhig auch. Wenn man jemand in die Augen gesehn hat, blieb der Kontakt immer eine sehr lange Zeit, alle waren wie in Trance! Und ich habs am Anfang gar nicht kapiert, dass es eine mehr oder weniger geplante Performance war!! Natürlich sehr viel improvisiert, aber ich dachte anfangs, dass nur die indischen Musiker offiziell Teil der Aktion waren. Aber in Wirklichkeit waren noch 5 TänzerInnen, noch 3 europäische Musiker und ein Teil der Hawila-Crew involwiert.

links neben Hawila ist das Floß mit Passagieren zu sehen!

links neben Hawila ist das Floß mit Passagieren zu sehen!

Der Abend ging dann mit großem Lagerfeuerjam weiter, nachdem das Horn fünf Mal geblasen wurde. Dieses Hawila-Schiff ist ein Gemeinschaftsprojekt. Das Schiff wurde vor ein paar Jahren sehr lediert erworben, irgendwie von einem Franzosen von Bornholm nach Kopenhagen gebracht und seit dem renoviert und restauriert. Und gleichzeitig finden immerwieder verschiedene Konzerte und Festvals statt. In diesem Winter holen sie das Schiff aus dem Wasser um von unten Schäden reparieren zu können. Irgendwann wollen sie wieder damit in See stechen.

Was mich allerdings irritiert hat, war das mal wieder sau viele Deutsche und kaum Dänen da waren. Die wollen dann auch immer gleich Deutsch sprechen. Ich find das aber super unangenehm. Das schließt alle andern ja sofort aus (auch wenn es nicht viele sind). Hatte mir kurzzeitig schon überlegt, mich als Franzose auszugeben, um dem zu entgehen!

Und noch eine weitere lustige sprachliche Anekdote: Irgendwie übernehme ich immer superschnell den Akzent in mein Englisch, den mein Umfeld spricht. Ich hatte dieses lodderige, weiche Dänisch-Englisch sofort anektiert: woader = water. Es ist ja auch vom Sprech her dem Fränkischen durchaus ähnlich, finde ich. Eine Dänin am Lagerfeuer hatte tatsächlich Probleme, mich einzuordnen mit meinem dänisch-deutschen Akzent, haha!

Irgendwann spät in der Nacht bin ich dann zurück in die Jomsborg geradelt. Radfahren ist ja bekanntlicherweise super krass in Kopenhagen. DAS Verkehrsmittel. Und das funktioniert hier auch spitzenmäßig. Es gibt grüne Wellen, die auf 20km/h geeicht sind, Haltestangen neben den Ampeln, damit die Rennradfahrer nicht aus ihren Pedalen rausmüssen, jede Menge speziell für Fahrräder gebaute Brücken und einen durchgehenden autofreien Nord-Süd-Weg durch die komplette Stadt. Naja, so wie es eben sein sollte! Man sieht auch überall Lastenräder rumfahren, Kinder, Zeug, beides oder nichts vorne drin. Es ist nur alles ein wenig arg perfekt in CPH…

Ich war am Tag drauf mit Martin nochmal unterwegs. Wir waren in der Container By, einem Dorf aus übereinander gestapelten Marinecontainern. Schön ausgebaut. Und mit lässigem Stadtgarten hintendran mit Hühnern.

Allerdings war gerade nicht soviel los, so dass wir weiter nach Christiania in die Sauna gefahren sind. Da ist jeden Tag ab 17h Sauna. Sie haben ein großes altes Badhaus. Man zahlt ein paar Kronen, 20 glaube ich, Eintritt und man kann sich noch Schnaps oder andere Getränke und Tonerde zum Einreiben bestellen. Die Leute in der Sauna schienen sehr routiniert zu sein. Sie machten verschiedenerlei Dehnübungen am Boden, Apfelsinenspalte wurden herumgereicht. Ein Mann, komplett tatowiert, saß immer im Yogasitz direkt vor dem Ofen auf einem sorfältig zusammengefalteten Handtuch. Wenns genug war, gabs außen natürlich Duschen und auch einen kleinen Pool mit kaltem Wasser. Irgendwie war so Minzöl mit drin glaube ich…

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Die Schmiede in Christiania

Angenehm erholt sind wir dann noch ein bisschen durch die Straßen geschlappt. Es ist ein außergewöhlich Ort. Man merkt, dass Menschen hier freier sind. Zum einen an der Architektur, weil sie einfach bauen, was sie wollen, ohne lästigen Vorschriften, zum andern merkt man es an den Menschen selbst. Man hat den Eindruck, viele Leute sind sich bewusst, dass sie hier mehr für sich selbst verantworlich sind. Wenn es weniger Regeln gibt muss man sich eben selbst überlegen, was man zu tun und zu lassen hat.

Allerdings gibt es auch viele Leute die sich völlig abschießen mit Gras und Alkohol und total fertig sind. Und auch davon gibt es aber Angenehme und Unangenehme. Die Prollos, die in der Sonne auf dem Hauptboulevard rumhocken, völlig prall, jeder ein Bier und einen Joint in der Hand, unterhalten sich lautstark lallend oder quasseln einfach nur vor sich hin, die Übergänge sind fließend. Dann pfeifen sie in einem hellen Moment den jungen Touristinnen hinterher, holen sich nen Schnaps und weiter gehts. Die sind der Abschaum, mit denen ein solcher Freiraum klarkommen muss. Und dann gibt es noch die Harmlosen, verwirrte tätowierte alte Frauen, die durch die verschlungenen grünen Pfade wandeln und vor sich hin reden. Ich glaube, viele Leute fürchten sich auch vor den harmlosen zerstörten Althippies, derweil ist mir so jemand doch 1000 Mal lieber, als irgendjemand, der/die voll im Leben steht, aber völlig unreflektiert andauernd sein/ihr Umfeld belästigt. Und von denen gibt es mehr als genug…

Am Rückweg waren wir noch Containern und haben massenhaft Schätze gefunden: Einen Kasten Bier, frisches Brot, frisches Gemüse jeglicher Art, mannigfaltige Sorten Salatdressing und Barbeque-Soßen und einen Haufen Tofu und Sojaschafskäse! So kann man in Dänemark, dem angeblich ja so teueren Land jedenfalls gut durchkommen…

Das Thema meiner Reise hatten ja ein wenig die Verwandten und vielleicht auch Alternativen unseres Quellkollektivs werden sollen. Ich denke, das habe ich ganz gut hinbekommen. Als ich hier in der Jomsborg angekommen bin, die sich ja auch Kollektiv nennt, habe ich mich aber schon gefragt, was ein Kollektiv eigentlich ist! Weil dort wohnen die ja einfach nur zusammen. Weil dann kann ich meine WG ja auch als Kollektiv bezeichnen und eigentlich ist auch jede Familie ein Kollektiv. Nene. Ich würde sagen, in einem Kollektiv arbeiten die Menschen gemeinschaftlich an einem oder mehreren Projekten. Das ist die Grundvorraussetzung. Und irgendwie müssen es schon auch mehr als 3 Leute sein… Aber ab wievielen ist man dann ein legitimes Kollektiv? ab 5? ab 8? Das kann man ja auch nicht so einfach sagen. Kann man mich jetzt zum Makvärket-Kollektiv zählen? Ich hab ja einiges dort gemacht! Ach ja, ein Kollektiv ist wohl auch immer ein möglichst hirarchieloses Konstrukt in dem Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Wenn all das so ist, ist es ein Kollektiv und wohl die Lebens- und/oder Arbeitsform die ich am besten finde!

kollektivMINDMAPkleinIrgendwie wollte ich eine Tabelle machen, welche Station warum wie gut war, irgendwann als ich Kopenhagen in einem Naturpark saß, aber als ich die Kategorien auswählen wollte ist mir aufgefallen, das völliger Unsinn ist. Man kann das nich so einfach runterbrechen. Jedenfalls ist dann dieses Schaubild daraus entstanden.

Etappe 12: Von CPH nach Trelleborg

Etappe 12: Von CPH nach Trelleborg

So dann wars aber auch mal Zeit den Rückweg anzutreten. Bin mit dem Zug nach Schweden rübergefahren. Das war sündhaft teuer. Und in Schweden wars echt nicht schön. Nur industrielle Landwirtschaft. Hab mich total verfahren und bin auf irgendwelchen reudigen Feldwegen rumgepflügt. Irgendwann bin ich in einem vermüllten Park kurz vor der Küste angekommen. In Trelleborg hab ich mal wieder eine Deutsche getroffen, die gerade ihre Tour mit einem Platten begonnen hat. Ventil im Arsch. Hab ihr ein bisschen geholfen und bin dann nachts mit der Fähre nach Rostock gefahren. Genauso wie vor 8 Jahren schonmal beim ersten Urlaub ohne Eltern!

Mein Radl in Trelleborg am Strand. Habe einen Mann slawischer Herkunft getroffen. Wir haben gegenseitig Daumen-hoch-Fotos von uns geschossen. Ich mit seinem Tablett-PC, er mit meiner analogen Kamera. Film ist aber noch nicht voll...

Mein Radl in Trelleborg am Strand. Habe einen Mann slawischer Herkunft getroffen. Wir haben gegenseitig Daumen-hoch-Fotos von uns geschossen. Ich mit seinem Tablett-PC, er mit meiner analogen Kamera. Film ist aber noch nicht voll…

Auf der Fähre hab ich mein Rad unten abgestellt und bin hoch in die 5. Etage aufs Außendeck. Dimensionen wie ein Hochhaus haben diese Langstreckenfähren. Bald wars langweilig und kalt, das Ablegen ließ auf sich warten. Ich bin dann also rein in einen Raum wo ansonsten noch der Ausflug eines Trachtenvereins aus Hessen sich niedergelassen hatte. Lauter Pubertierende Jugendliche und pubertierende Erwachsene. Irgendwann bin ich eingeschlafen. Irgendwann wieder aufgewacht, mitten in der Nacht, und wollte mir mal die Füße vertreten und frische Luft schnappen. Draußen völlige Stille bis auf die Unterhaltung von einer Gruppe Leuten. Und außer dem beleuchteten Schiff wirklich NICHTS zu sehen. Komplett schwarz. Verschlafen wie ich war, habe ich einen Moment gebraucht um zu verstehen, was gerade passiert. Ich habe dann ganz unten neben dem Schiff leichte Wellenreflexionen erkennen können. Wir fuhren also… Hätte auch sein können, dass wir durch den luftleeren Raum schweben! Einer von der Gruppe hat wohl meinen ratlosen Gesichtsausdruck gesehn und musste lachen. Ich fands auch sau lustig.

In Rostock wollte ich dann gleich in der Früh den Bus nach Nürnberg nehmen aber erstens hatte er soviel Verspätung, dass ich meinen Anschluss in Berlin verpasst hätte und zweitens hatte ich eh nicht genug Bargeld dabei. Also habe ich meine BeWelcome-Hosts kontaktiert, nachdem ich mich eine Runde im Park abgelgt hatte. Habe noch ein Nacht in Pauls WG übernachtet, was ziemlich lustig war, weil sie irgendwie genauso drauf sind wie meine WG hier in Nbg! Nächster Bus-Versuch hat mehr oder weniger reibungslos geklappt.

Als Dankeschön gabs mal wieder ein WG-Portrait. Um Daniel ganz links noch mit drauf zu bekommen, musste ich um 6 Uhr frühs aufstehen, weil er am Abend ein Date hatte und am nächsten Morgen spontan beschlossen hat ihr nach Berlin hinterher zu fahren!

Als Dankeschön gabs mal wieder ein WG-Portrait. Um Daniel ganz links noch mit drauf zu bekommen, musste ich um 6 Uhr frühs aufstehen, weil er am Abend ein Date hatte und am nächsten Morgen spontan beschlossen hat ihr nach Berlin hinterher zu fahren!

Insgesamt bin ich wohl so um die 1000 Kilometer gefahren und habe jede Menge coole Orte gesehen und coole Menschen kennengelernt! Danke an alle die mich bei meiner Reise unterstützt haben!

Teil 1: Durch die Heide ins Gängeviertel

Teil 2: Von Bremen nach Dänemark

Teil 3: Makvärket

Karte

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Kopenhagen und ab nach Hause