Treffen mit Hanuman

In Delhi verbrachte ich knapp eine Woche. Ich besorgte ein Fahrrad und lebte in einem erstklassigen Hotel. Es war nicht nur das günstigste das ich finden konnte, sondern auch unschlagbar im maroden Charme. Das Haus ist eigentlich eine alte Moschee, wird aber nur noch teilweise als solche genutzt. Die Gänge sind verwinkelt und alle Türen offen. Hinter jeder finden sich schönste Eindrücke aus irdischem Chaos.

Die ersten Tage auf dem Fahrrad führten in Richtung Uttarkhand. Der Gepäckträger riss nach zwei Tagen, aber ein Schweißgerät ist in Indien glücklicherweise fast überall vorhanden.

Eines Abends winkten mir ein paar Leute aus einem Tempel zu und luden mich ein. Ich war glücklich, hatte ich doch in diesen Moment erst erfolgreich eine kilometerlange Verfolgungsjagt mit Affen hinter mich gebracht.
Bei meiner Abfahrt am Tag darauf rieten sie mir einen bestimmten Tempel in Haldwani aufzusuchen. Die Schlafplätze der kommenden Tage waren dadurch besiegelt, denn Tempel sind die Herbergen der Pilger und das Hindi Wort „Yatra“ bedeutet Reise und Pilgerschaft zugleich. Aus eigener Kraft mich fortbewegend, mit verfilzten Haaren und einer Vorliebe dem Shivakraut gegenüber war ich bei den Hindupilgern stets willkommen.

Der Guru in Haldwani schickte mich nach Kathgodam. Dort versuchte ich mich vorzustellen, in Bezug auf die Einladung des Gurus. Durch mein gebrochenes Hindi, vergleichbar so gut wie sein Englisch, wurden sie Worte etwas fehlinterpretiert. So dachten sie ich rede von meinem Guru. Ich versuchte es richtig zu stellen:
„… dein Guru …“
Ihre Frage: „Und wer ist dein Guru?“
„O, ich habe keinen?
„Dann bist du gar kein Sadhu“ war ihr Vorwurf „du bist ein Hippie!“

Mir war es egal für wen oder was sie mich hielten und sie zeigten mir, dass ich willkommenen bin. Der Monsun und weitere glückliche Umstände ließen mich ca. zwei Wochen in dem Tempel verbringen. Zuallererst gaben sie mir orange Klamotten die ich im Tempel tragen sollte, sie jedoch ausziehen musste wenn sie mich Schnaps holen schickten. Das war eine Aufgabe die nur ich erfüllen konnte, da Ihnen der Alkoholkonsum eigentlich strikt untersagt ist. Ich erfüllte meine Aufgabe stets gewissenhaft.

Anschließend reiste ich per Bus nach Norden um eine Wanderung zu Ende zu führen, welche ich ein paar Jahre zuvor aus Monsungründen abbrechen musste. Aber auch dieses Mal kam ich nicht beim Pindari Gletscher an. Auf Grund unbefahrbarer Brücken kam ich nicht mal in die Nähe. So lief ich ein paar Tage Ziellos durch den Regen, wurde von einer herzlichen Familie aufgenommen und nahm anschließend den Bus zurück zum Tempel nach Kathgodam.

Danach ging es mit dem Rad zur weiter zum nepalesischen Grenzort Mahendranagar.

Karte

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