Weltenwechsel Teil 1 von 2

Die schier endlose Waldlandschaft lichtet zunehmend, verliert mehr und mehr an hochragenden Wipfelwelten, die das Landschaftsbild der letzten Zeit prägten. Viele Bäume, vornehmlich Birken, lassen ihre Köpfe unter der schweren Schneelast hängen. Ihre nadeligen Nachbarn werden mit jedem Tag unserer Reise dünner und stehen weiter auseinander. Über fünf Wochen radeln wir nun schon durch Schweden. Nur die ersten Tage war die Welt noch frei von Schnee und Eis. Der Frost überprägte schnell unser Dasein und formte unsere Empfindungen. Wir merkten wie sich unsere Körper der tiefgekühlten Mitwelt anpassten. Die ersten Nächte draußen bei minus 20°C erforderten noch viel unserer Aufmerksamkeit. Mittlerweile sind wir angepasster, unsere Körper laufen auf Hochtouren und verbrennen täglich tausende Kalorien geretteter Lebensmittel. Das Fahrradfahren bei solchen Temperaturen verlangt viel mehr von einem als die Nächte unter freiem Himmel. Trotz der täglichen Erfahrung wundern wir uns immer wieder aufs Neue, wie viel Feuchtigkeit aus einem Körper tritt. Der Atem gefriert im Gesicht, an jedem Haar und der Kleidung. Schweiß bildet eine Raureifschicht auf der Kleidung oder gefriert schon auf dem Weg nach Außen und füllt die schützende Kleidung langsam mit Feuchtigkeit. Strampeln wir einen Berg zu schnell hoch, rächt sich die Überheblichkeit nicht viel später und zermalmt am liebsten unsere Gliedmaßen mit plötzlicher Kälte. Gleichmäßig langsam bewegen wir uns fort, tricksen unsere Abenteuerlust aus wo es nur geht und machen bei fast jeder Gelegenheit Gebrauch von den Errungenschaften der Zivilisation. Jede Bibliothek und jeden Supermarkt Nordschwedens scheinen wir schon besucht zu haben. Antiproportional zur Dichte dieser öffentlich zugänglichen Heizungen gewöhnen wir und unsere Körper sich daran selbst mit den Bedingungen zurecht zu kommen. Am nordwestlichsten Zipfel Schwedens angekommen fühlen wir uns selbst bei kurzen Mittagspausen draußen wohl und wundern uns, dass sogar die Hände warm bleiben. Außerdem bleibt bei dem überwältigendem Ausblick auf das weite baumlose Fjell fast kein Raum mehr für Kälte im Kopf. Unsere Augen staunen beim Fahren abwechselnd in alle Richtungen, staunen in das endlose Weiß der Berge. Die Waldlandschaft ist lichten Birkenbeständen gewichen. Verknorzt mit dünnen Stämmen, mehr Strauch als Baum, fristen sie ihr langsames Dasein am oberen Rand der Baumgrenze. Der Pass bei Bjørnfjell, die Grenze zu Norwegen wird greifbar. Der erste große Abschnitt unserer Reise, von Weite und der klirrenden Kälte geformt, ist bald abgeschlossen …

3 Antworten auf Weltenwechsel Teil 1 von 2

  • Patrik MAdsen

    Yo Boys, Good to see you and fun to follow you. Hope that you got the time to go up Låkkatjåkta in Björkliden, just up from Torne Träsk. Impressive trip in this weather indeed. Have fun and dont forgett to brush your teeth.

  • Patrik MAdsen

    P.S. Skrei Cod have arrived, really good fish, you have to try. Also try to eat whale in Norway. Yes, I know, everybody screams about whale hunting, but, see it this way. There are 500 000 Vikval in the world. In Norway there is 140 000 and the catch 800….whats the problem, really…?

    • Happy Homeless Hippie
      Happy Homeless Hippie

      Hey Patrik,
      There are more than 7 billion humans in the world, but just few of them are vegetarian. There are good potatos in Norway as well, no need to kill today :)

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